3 Dinge, die dein Darm für die Entleerung braucht

Es gibt wirklich viele Bereiche wo die Physiotherapie dein Kind und dich unterstützen kann. Bewegungstherapie bei Rückenschmerzen, nach einer Operation oder bei neurologischen Krankheiten ist dir vielleicht ein Begriff.

Wo kann Physiotherapie bei einer (chronischen) Verstopfung oder Stuhlinkontinenz helfen?

Lass mich kurz erklären, was ein gesunder Darm für eine gute Entleerung braucht.

  • „Kräftige“ Darmwandmuskeln
  • Die optimale Stuhlkonsistenz
  • Ein entspannter Beckenboden

1.“Kräftige“ Darmwandmuskeln

Der Darm und vor allem der Enddarm ziehen sich mit ausreichend Kraft zusammen. Dieses Zusammenziehen der Muskulatur in der Darmwand transportiert den Stuhl weiter. Der Enddarm dient quasi als kleine Haltestelle bevor der Stuhl aus dem Darm hinaus transportiert wird.

Was kann helfen, wenn die Darmwandmuskeln schlafen oder nicht stark genug sind? – optimalerer Stuhlkonsistenz, ein entspannter Beckenboden und Physiotherapie bzw. Osteopathie.

2. Die optimale Stuhlkonsistenz

Ein Stuhl mit der optimalen Konsistenz ist in der Kategorie 3. Hier erfährst du mehr über die verschiedenen Stuhlkategorien. Du brauchst wenig bis kein Toilettenpapier.

Je länger der Stuhl im Dickdarm verweilt, desto weniger Flüssigkeit enthält er. Dadurch wird er fester. Mit jedem Essen wird wieder neuer Stuhl produziert. Wenn der alte Stuhl noch nicht abtransportiert wurde, kommt der neue einfach dazu. So wird die Masse immer dichter und auch dicker.

Was kannst du tun, damit der Stuhl die richtige Konsistenz hat?

Achte auf deine Ernährung, dein Trinkverhalten sowie ausreichend Ruhe und Routine. Nutze den gastrokolischen Reflex, geh aufs Klo, wenn du einen Drang zum Stuhl Absetzen verspürst. Falls du eine (chronische) Verstopfung hast, ist bereits mehr Stuhl in deinem Enddarm und er ist härter als er sein sollte – gemeinsam mit einer Ärztin/einem Arzt entscheidet ihr, welche Medikamente (Stuhlweichmacher oder ähnliches) passend sind. 

3. Ein entspannter Beckenboden

Der Darmausgang wird von mehreren Muskelschichten verschlossen. Diese Schichten nennt man Beckenboden. Bei Kindern, die Herausforderungen mit den Ausscheidungen haben, arbeiten diese Muskeln meist anders. Sie spannen sich bei der Entleerung an, statt locker zu lassen. Bei vielen ist auch die Grundspannung (Tonus) verändert bzw. die Faszienspannung nicht optimal.

Die Faszien verbinden alles im Körper miteinander. Es gibt ein Erklärungsmodell warum die Muskeln manchmal nicht die optimale Spannung haben (Biotensegrity im Bereich des Beckenbodens).


Wie kommt es zu einem “verspannten” Beckenboden?

Wenn du schon mal einen verspannten Nacken hattest, kennst du vielleicht das Gefühl von Muskeln, die deutlich fester sind als du es gewohnt bist. Am Anfang fiel es dir vielleicht auf. Aber mit ausreichend Ablenkung konntest du dieses ungewohnte Gefühl ignorieren. Falls sich nichts änderte, wurde diese festere Muskulatur vielleicht zur Gewohnheit. Zu deinem neuen “Normal”. Dein restlicher Körper passte sich mit der Zeit an diese neue Grundspannung an. Auch alles in der Umgebung hat sich verändert. Eventuell auch schon Körperteile, die weiter weg sind.

Vielleicht hast du es bemerkt, vielleicht aber auch nicht.

So ähnlich ist es auch mit den Muskeln des Beckenbodens.

Genau hier hilft Physiotherapie.

In der Physiotherapie lernst du, wie dein Körper eine gesunde Muskelspannung (Tonus) im Beckenboden zulassen kann. 

Du lernst, wie du deinen Beckenboden für den Besuch am WC richtig ansteuern kannst, so dass sich der Ausgang deines Darmes ausreichend öffnet.

Dir wird erklärt, wie du deine Atmung einsetzen kannst. Das Zwerchfell und die Rumpfmuskulatur unterstützen deinen Darm mit jedem Atemzug. Auch bei der Entleerung helfen sie tatkräftig mit.

In der Physiotherapie wird vermittelt, wie du wieder spüren und erkennen kannst, wann es Zeit ist das Klo aufzusuchen.

Du wirst sehen und erfahren, wie du dich gut auf das WC setzen kannst. So wird das Stuhl abgeben leichter.

Dir werden Übungen für zuhause gezeigt. So lernen deine Muskeln, wann sie locker lassen sollen. Manche deiner Muskeln werden aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt. Andere dürfen endlich eine Pause machen.

Du wirst erleben, wie der Mund und der Beckenboden als Einheit zusammen arbeiten.

Dein:e Physiotherapeut:in wird dir Bewegungen für deine Füße und Beine zeigen. Die Muskeln deiner Füße und Beine unterstützen deinen Beckenboden.

Sollte dein Körper sich schon an eine Ausweichposition gewöhnt haben, erarbeitet ihr gemeinsam wieder eine optimale Körperhaltung.

Je nach Zusatzausbildung kann deine Physiotherapeutin auch Techniken anwenden, die das Gewebe, dass die Organe miteinander verbindet, behandeln.(Link Artikel mit Studien PT)

In der Physiotherapie kann auch ein elastisches Tape auf deinen Bauch geklebt werden. Je nachdem wie es geklebt wird, kann es ebenfalls die Verdauung anregen.

Du erhältst Tipps und Tricks für deinen Alltag.

Physiotherapie kann dir also bei Punkt 3 – dem entspannten Beckenboden helfen.

In der Therapie können aber auch Techniken angewendet werden die deinen Darm unterstützen (Punkt 1).

Eine Darmmassage nach dem ILU Ablauf. Diese spezielle Massagetechnik soll den Darm dabei unterstützen dass der Stuhl leichter weitertransportiert wird. Ein weiterer Effekt ist die Anregung der Durchblutung. Damit Muskulatur gut arbeiten kann, braucht sie Stoffe aus dem Blut. Eine Darmmassage hat genau dass als Ziel.

Dein Darm ist vom Prinzip her ein langer Schlauch in deinem Bauch. Diese Darmschlingen sind an bestimmten Punkten im Bauch fixiert. Es gibt auch ein Schicht, die diese Schlingen wie ein Netz an Ort und Stelle hält. Je nach Zusatzausbildung der Physiotherapeutin kann sie auch Griffe und Techniken anwenden, um dieses “Befestigungssystem” zu beeinflussen.(Link Artikel mit Studien PT)


Wann kann ich mit einem Therapieerfolg rechnen?

Ob diese Einschränkungen/Verklebungen/Verhärtungen oder ähnliches sich lösen lassen hängt von mehreren Dingen ab. Egal wie ausgefeilt die Technik oder erfahren die Therapeutin ist. Jeder Körper und jedes Kind reagiert anders auf die Vorschläge die ihm gemacht werden. Emotionen und die Einstellung zu dieser Veränderung tragen auch dazu bei. So kann es bei dem einen mal sofort zu einer positiven Veränderung kommen. Das andere mal kommt es zu einer kurzzeitigen Verschlechterung, bevor die Verbesserung kommen kann. Fast so als will der Körper eine Erinnerung kurz aufleben lassen, bevor sie gehen darf.

Manche Veränderungen geschehen schon nach der ersten Einheit. Andere Dinge lösen sich erst nach mehreren Wochen. 


Du hast Fragen, ob Physiotherapie auch deinem Kind helfen kann? Melde dich bei mir.

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